Juden in Äthiopien - Getreideprojekt

Juden in Äthiopien - Getreideprojekt

Äthiopien, im Osten Afrikas gelegen, früher unter dem Namen Abessinien bekannt, ist ein Land der großen Gegensätze. Geprägt durch eine jahrtausendalte Geschichte mit Kaisern und Königen wird es heute nach Beendigung einer kommunistischen Diktatur seit 1991 als föderale Republik geführt. Äthiopien nennt man die Wiege der Menschheit. Schon vor ca. 3,5 Millionen Jahren gab es die ersten Ansiedlungen. Hier findet man den heißesten Ort der Erde mit über 60 Grad Celcius in der Danakilsenke, einer Salzwüste, die bis zu 150m unter dem Meeresspiegel liegt. Gleichzeitig besteht ein großer Teil des Landes  aus einer Hochebene, dem Semiengebirge, dessen höchster Gipfel der Ras Dashan mit 4620 m ist.  Äthiopien gilt als das ärmste Land Afrikas und eines der  bedürftigsten Länder der Erde. Regelmäßig wiederkehrende Dürrezeiten und Hungerperioden sowie eine allgemeine extreme Armut und fehlende Infrastruktur zwingen seine ca. 80 Millionen Einwohner in einen Überlebenskampf mit Krankheiten wie z.B. Malaria, Tuberkulose und HIV/Aids, denen viele aufgrund der Mangelernährung erliegen. Dies bringt eine zunehmende Zahl von Waisenkindern im Lande hervor.

In dem von unendlicher Not geprägten Äthiopien lebt seit mehreren Tausend Jahren eine jüdische Minderheit. Laut einer Legende gehen ihre Anfänge bis auf die Königin Saba zur Zeit des Königs Salomo in Israel zurück. Anderen Quellen zufolge handelt es sich um den verloren gegangenen Stamm Dan. Diese siedelten sich hauptsächlich im nordwestlichen Hochgebirge rund um die alte Kaiserstadt Gondar an. Im Jahre 1975 erkannte der Staat Israel die als Falascha (die Landlosen) bezeichnete Gruppe definitiv als Juden an und begann, sie nach und nach ins Land Israel heimzuholen. Eine zweite Gruppe äthiopischer Juden, die vor Jahrhunderten einmal  zwangschristianisiert worden waren (die Falascha Mura), bemüht sich ebenfalls um Erlaubnis, in ihre wahre Heimat Israel ausreisen zu dürfen. Immer mehr dieser Familien machten sich aus weit entfernten Dörfern, zum Teil mit 11 Kindern barfuß ohne jeglichen Besitz, auf den Weg nach Gondar und Addis Abeba, doch ihre Dokumente waren unvollständig und die Prüfung ihrer jüdischen Identität durch die israelischen Behörden dauert zum Teil bereits 10 Jahre und mehr. Unterdessen sind immer wieder Kinder wie Mütter und Väter ihrer großen körperlichen Schwäche erlegen.

Eine Familie erhält einen Sack Getreide

Im Dezember 1998 begann der Verein Yad Ruth e.V., einen Teil dieser äthiopischen Juden durch ein Getreideprojekt zu unterstützen, während sie in unvorstellbarer Armut in ihren primitiven Lehmhütten auf engstem Raum ohne jegliche Hygiene in der Stadt Gondar und den umliegenden Dörfern auf Erteilung ihrer ersehnten Ausreisegenehmigung warten. Unsere beiden verantwortungsbewussten, ehrenamtlich tätigen Kontaktpersonen vor Ort berichten uns immer wieder, wie sich die gesundheitliche Stabilität derjenigen Familien, die aufgrund unseres Hilfsprojektes pro Tag eine warme Mahlzeit zu sich nehmen können, sichtbar verbessert hat. Das Getreide Teff, eine nahrhafte Hirseart, die speziell in Äthiopien wächst, wird 1 x pro Monat vor Ort gekauft. Seit dem Beginn vor nunmehr 13 Jahren gehörten mindestens 200 Familien mit mehr als 1000 Personen zu den Begünstigten unseres Projektes. Die meisten durften inzwischen nach Israel ausreisen. Solche frei gewordenen Plätze wurden nach sorgfältigster Prüfung seitens unserer Kontaktpersonen durch jeweils neue Familien entsprechend dem Kriterium ihrer größten Bedürftigkeit ersetzt. 
In den letzten Jahren sind zusätzlich einige Patenschaften für einzelne besonders geschwächte oder hilfsbedürftige Kinder außerhalb unseres Getreideprojektes entstanden. Jede noch so geringe Spende stellt eine wirkliche Überlebenshilfe für die unendlich dankbaren Familien des Getreideprojektes und der Patenschaften dar.