Pflegeprojekt in Moldawien

Ebenfalls auf unsere Hilfe angewiesen sind 13 Frauen, die wir mit unserem Pflegeprojekt unterstützen. Auch sie sind Überlebende des deutsch-rumänischen Holocaust und Leidtragende der Folgen des sowjetischen Systems.

Wir stellen hier drei Frauen vor, die von uns unterstützt werden.

Sophia Sarah, * 1920, ist jetzt 91 Jahre alt und in Kremenchug/Ukraine geboren

Sie lebte mit Vater und Mutter in diesem Ort, als am 22. Juni 1941 die Deutsche Wehrmacht die Sowjetunion überfiel. Sie drangen  auch in ihren Ort ein, und bombardierten eine Brücke. Dabei kam ihr Vater ums Leben. Mutter und Tochter wurden nach Kasachstan evakuiert. Die Mutter stirbt dort 1942. Sophia erinnert sich an ein jiddisches Gebet, das sie immer mit ihrer Mutter gebetet hat. Dieses Gebet hat ihr geholfen zu überleben.

Sophia war damals  22 Jahre alt und arbeitete den ganzen Krieg als Krankenschwester.

Später studierte sie Medizin in Moskau und wurde Ärztin, u.a. forschte sie über Tuberkulose.

Die Geschichte von „Fiddler on the roof“ hat sie so beeindruckt, dass sie „auf jeden Fall einen Juden heiraten wollte“. Das ist ihr auch gelungen. Ihr geliebter Mann starb vor zwei Jahren. Ihr Sohn lebt mit seiner Familie in Israel.

Als wir sie am 11. Juni 2011 besuchten, saß sie in einer langen, warmen Strickjacke in ihrem Sessel und begrüßte uns freudig. Eine Bibel lag neben ihr auf dem Stuhl. Sie ist sehr zufrieden mit ihrer Pflegerin, die jeden Tag kommt. Auch deren Kinder besuchen sie regelmäßig.

Polina, * 1924, ist jetzt 87 Jahre alt

Sie ist bettlägerig aufgrund starker Hüftschmerzen.

Sie wurde  1941, im Alter von 17 Jahren, mit ihren Eltern zuerst   ins KZ  Lubatschowka, dann nach Golta deportiert. Hier wurden ihre Eltern vor ihren Augen erschossen. Sie floh aus diesem Lager und überlebte. Nach dem Krieg studierte sie Ökonomie  und Französisch.  Danach arbeitete sie als Lehrerin in Kischinau.  Nach der Heirat bekam sie einen Sohn. Heute hat sie drei Enkel und drei Urenkel.

Polina wird von der Pflegerin Lisa gut betreut.  Sie war früher sehr sportlich und ist traurig, dass sie sich nur wenig bewegen kann. Eine Hüftoperation wäre hilfreich, aber das wäre nicht zu bezahlen…

Sie spricht jeden Tag mit Gott, und das gibt ihr Trost.

Sarah, *1928 in Kischinau, ist 83 Jahre alt

Sie wahr Bibliothekarin im Medizinischen Institut in Kischinau .Ihr Leben ist, wie auch das der anderen Überlebenden,  ist nicht nur durch den Holocaust schwer traumatisiert worden, sondern schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1905)  fiel ihr Großvater  im russisch-japanischen Krieg. Die Großeltern hatten gerade geheiratet und die Großmutter war schwanger. Sie musste ihr Kind  als Witwe alleine aufziehen. Dieses Kind wurde später Sarahs Mutter. Im Krieg wurden sie nach Buchara/ Usbekistan deportiert.

Nach dem Krieg studierte Sarah  in Czernowitz, heiratete 1951, und zog mit ihrem Mann in die damalige Sowjetrepublik Moldawien. Sie haben zwei Kinder, eine Tochter wohnt in Nischninowgorod, und der Sohn in Kischinau.

Als wir in ihr kleines Häuschen mit Garten kamen, saß sie gerade an ihrem Schreibtisch und bereitete eine Vorlesung über das jüdische Kischinau der 70ger Jahre vor.

Die Pflegerin Anna sagte, „sie ist immer busy“.